Praxis

Aus dem Text „Anti-Politik ist eine Möglichkeeit“. Die Hervorhebung ist von mir.

Politik geht vom Staat aus oder ist auf ihn bezogen. Also ist die Forderung nach Abschaltung von Überwachungskameras so politisch wie eine Kritik am Asylgesetz oder eine eingeforderte Solidarität mit Israel. Ebenso ist die Bildung einer Bürgerinitiative gegen ein Kernkraftwerk so politisch wie die Beteiligung an parlamentarischen Akten wie Wahlen, Parteien und Ausschüssen. Politik ist also gesellschaftliches Agieren, welches auf den Staat bezogen ist, an den Staat Forderungen stellt etc. So was zu tun kann sinnvoll sein, ist es auch in vielen Fällen. Das Problem besteht also nicht darin, daß man keine Politik machen darf, sondern daß es falsch ist, sie zum Ausgangspunkt, zum Dreh- und Angelpunkt des eigenen gesellschaftskritischen Agierens zu erheben. Problematisch ist, daß gerade Linke – und zwar leider oft zunehmend mit stärkerer Radikalität – am Vertrauen in die Politikform festkleben. Währenddessen bierseelige deutsche Stammtische schon längst wissen, daß „die da oben eh’ machen was sie wollen“ – ein ideologisch wie auch immer verzerrter und entstellter Widerschein realer Verhältnisse.
Anti-Politik trennt sich an dem Punkt von der Politik, wo sie erkennt, daß die Linken die Menschen, also sich selbst, immer in den Formen des Bestehenden emanzipieren wollten, in denen von Staat und Politik.

Utopien

Nach allem, was ich über die Gesellschaft in die ich hineingeboren wurde gelernt habe, wird generell das Gegenteil gesagt, von dem, was gemeint wird. So ist die Frage: Gibt es denn um Himmelswillen auch irgendwelche Schwachpunkte am Matriarchat, irgenwas, über das man herziehen und das man kritisieren könnte? – diese Frage ist ein großes Kompliment an alle, die sich mit dieser Lebensweise Matriarchat beschäftigen, denn es meint: wow. Einfach umwerfend. Warum sind wir nicht gleich darauf gekommen? Es geht also auch so viel einfacher! Soviel weniger Schmerz! Wow! Muss das schön sein! Das alles bedeutet diese Frage eigentlich, so klingt sie in meinen Ohren.

Was es so bitter macht, ist diese Bedeutung, die immer überall mit drinsteckt: Cool, ihr habt eine Utopie (in diesem Fall Matriarchat) gefunden, und seid dabei, euch zu retten … aber leider, zu schade, das klappt nur weil ihr so aussergewöhnlich spezielle Personen seid, wir, die Fragenden, werden auf immer unserem Patriarchat verhaftet bleiben, weil wir zu feige, oder auch schon zu kraftlos sind, um uns aus unseren Krankheiten zu befreien. Deshalb, bitte, gebt uns doch etwas woran wir uns trösten können. Sagt uns, dass das Matriarchat doch nicht das Gelbe vom Ei ist, das macht unser tägliches Leiden erträglicher.

Die, die so fragen, suchen meiner Meinung nach einfach nur Trost für ihr eigenes von fremder Angst gesteuertes Verhalten. Sie suchen Absolution dafür, warum sie sich nicht für diese Utopie oder irgendeine andere einsetzen, sie wollen im voraus beweisen, dass das nur böse enden kann und die bestehende Welt doch die beste aller möglichen ist. Sie suchen den süßen Trost, dass all ihre Leiden doch irgendwo einen höheren Sinn haben, aber diesen höheren Sinn gibt es nicht. Im Patriarchat leidet jeder nur für den unmittelbaren Vorteil eines anderen, niemals für eine ‘höhere Sache’, wie es dann immer dargestellt wird.

Diesen einen Trost kann ich euch sagen: auch im Matriarchat ist das soziale Miteinander nur so angenehm, wie die Menschen. Hinterhältige Menschen sind auch im Matriarchat hinterhältig. Der Unterschied ist nur, dass ihnen dann eine solche Verhaltensweise schaden würde, anstatt ihnen wie bei uns zu nützen. Ist es das, was soviel Angst macht?

Gefunden auf rette sich wer kann, von Undine.
Zum Begriff Matriarchat empfehle ich diesen Artikel.

Einführung

In diesem Blog geht es um Anarchie, Politik und die liberitäre Szene in Deutschland; speziell in Berlin.
Naja, ich denke, ich fange einfach an zu schreiben.