Aus dem Text „Anti-Politik ist eine Möglichkeeit“. Die Hervorhebung ist von mir.
Politik geht vom Staat aus oder ist auf ihn bezogen. Also ist die Forderung nach Abschaltung von Überwachungskameras so politisch wie eine Kritik am Asylgesetz oder eine eingeforderte Solidarität mit Israel. Ebenso ist die Bildung einer Bürgerinitiative gegen ein Kernkraftwerk so politisch wie die Beteiligung an parlamentarischen Akten wie Wahlen, Parteien und Ausschüssen. Politik ist also gesellschaftliches Agieren, welches auf den Staat bezogen ist, an den Staat Forderungen stellt etc. So was zu tun kann sinnvoll sein, ist es auch in vielen Fällen. Das Problem besteht also nicht darin, daß man keine Politik machen darf, sondern daß es falsch ist, sie zum Ausgangspunkt, zum Dreh- und Angelpunkt des eigenen gesellschaftskritischen Agierens zu erheben. Problematisch ist, daß gerade Linke – und zwar leider oft zunehmend mit stärkerer Radikalität – am Vertrauen in die Politikform festkleben. Währenddessen bierseelige deutsche Stammtische schon längst wissen, daß „die da oben eh’ machen was sie wollen“ – ein ideologisch wie auch immer verzerrter und entstellter Widerschein realer Verhältnisse.
Anti-Politik trennt sich an dem Punkt von der Politik, wo sie erkennt, daß die Linken die Menschen, also sich selbst, immer in den Formen des Bestehenden emanzipieren wollten, in denen von Staat und Politik.